Monthly Archives: January 2008

Ode an das Großraumbüro – © Peter Stransky

Mein Freund Peter Stransky schaute sich seinen neuen Arbeitsplatz an und es packte ihn das Grauen. Glücklicherweise packte ihn gleichzeitig die Inspiration und er erlaubte mir, sein neues Gedicht hier zu veröffentlichen.

Es wird später seinen Platz im geplanten Gedichtband „Der Moderne Arbeitszyklus” finden.

Ode an das Großraumbüro

Haus der Träume

ganz der Schäume

Möbel gab’s kaum

weiße Tupfer nur.

 

Steril auch die Wände

Decken, Säulen, überall.

Weiß herrschte fort

nicht nur am einsamsten Ort.

 

Der Boden klapperte fröhlich

bei jedem Schritt

Telefongespräche hallten flink

durch aller Tische Dickicht.

 

Der singende Boden

erlaubte das Anschleichen nicht

der neue, lange Flur

echote mit jedem Tritt.

 

Wenige Aquarien gab’s

nur für die hohen Tiere

wo kämen wir denn hin

wenn auch das niedere Volk

seine Arbeit in Ruhe täten wollt.

 

Die Einrichtung ganz japanisch

schon ein wenig spartanisch

der nicht vorhandene Stauraum

wirkte gleich einem Damm

verhinderte wirksam

jegliche Aktenflut.

 

Zwei einsame Pflanzen

versuchten es mit Farbe

erstickten lautlos klagend

verschwanden unter der Staubschicht

weil jeder dies für

die neue Dekoration hielt.

Advertisements

Silvester – Eine Geschichte von Tamara Nord

Der Alltag einer AnästhesistinSilvester. 

Tamara, die Anästhesistin hat Bereitschaftsdienst.

Mitternacht vorbei.

Noch kein Anruf. Soll sie sich hinlegen?

Da klingelt das Telefon. Eine Schwesternschülerin meldet sich und sagt: “Sie sollen einen Katheter legen.

“Katheter?” wundert sich Tamara.

“Da sind sie aber falsch. Das machen Schwestern bei Frauen und Pfleger bei Männern!”

“Nein, nein, keinen Blasenkatheter.”

“Ach so, Sie meinen einen Subclavia-Katheter[1]?”

“Ja, ja!”

“Wo?”

“Im OP.”

“Ich komme.”

Das ging schnell, sie brauchte ja nur den Hof zu überqueren.

Ihre Gedanken eilten ihr voraus: Warum und wozu wird ein Subclavia-Katheter gebraucht? Tamara mochte das gar nicht. Denn dabei mußte man “blind” arbeiten, die Vene unter dem Schlüsselbein konnte man weder sehen, noch tasten. Und sie wußte nur zu gut, was da alles passieren konnte: Verletzung der Lunge, Blutungen, Infektionen. Also hat sie es immer gemieden, wenn nur möglich.

Im OP fand sie zwei Chirurgen, die ein völlig zertrümmertes Bein zu flicken versuchten. Das Bein gehörte einem sehr jungen Mädchen, das schon intubiert[2] am Tisch lag. Es atmete spontan, bekam nur Sauerstoff.

“Wir dachten, daß wir alleine zurecht kommen und Sie gar nicht stören müssen.” erklärte der Chefchirurg.

“Schon fast seit zwei Stunden sind wir am Werk und es wird noch lange dauern. Einen venösen Zugang konnten wir nicht schaffen, deshalb brauchen wir Ihre Hilfe.

Kein Wunder, dachte Tamara. Die Patientin hat viel Blut verloren, die Schmerzen, die Angst. Sie war im Schockzustand, da kollabieren die Venen. Also da bleibt nichts anderes übrig, der Subclavia-Katheter muß her.

Es klappte auf Anhieb. Tamara nahm sofort eine Blutprobe ab, fürs Labor. Außer den üblichen Routineuntersuchungen, verlangte sie die Blutgruppenbestimmung und bestellte gleich mehrere Blutkonserven. Dann wurde die EKG-Überwachung angelegt, das Herz raste, arbeitete aber regelmäßig. Warum hat sie keinen Blasenkatheter, fragte sie verwundert. Keine Antwort. Offenbar hat niemand daran gedacht.

“Sie muß gleich einen haben. Wir müssen sehen, ob und wie die Nieren arbeiten, es könnte auch Blut im Urin sein.”

Als sich eine Schwester dran machte, einen Blasenkatheter zu legen, machte die Patientin eine gezielte Abwehrbewegung. Erst da wurde Tamara klar; sie ist ja gar nicht bewußtlos! Und die operieren ohne Narkose! Sprechen kann sie ja nicht, mit dem Tubus. Es war sinnlos zu intubieren, wenn sie spontan atmet. Was die Arme leiden mußte und immer noch muß.

Tamara sprach sie jetzt an: “Keine Angst mein Kind, Niemand tut Ihnen was Böses, wir sind alle da, um Ihnen zu helfen. Sie bekommen jetzt gleich etwas gegen Schmerzen und zum Schlafen.

Das Mädchen öffnete jetzt die Augen, hat offenbar verstanden, wehrte sich nicht mehr. Tamara spritzte sofort Rohypnol und Ketanest. Die rasende Herztätigkeit beruhigte sich rasch. Als Tamara sicher war, daß die Patientin jetzt nichts mehr mitbekam, versuchte sie den Chirurgen die Situation zu erklären. Daß die Patientin in Schock ist, im schlechten Allgemeinzustand und nicht imstande, die lange OP zu verkraften. Daß man einen Hubschrauber anfordern muß und das Mädchen auf eine Intensivstation bringen muß. Dort gibt es eine Chance, daß es sich erholt und dann kann alles Weitere getan werden.

Vergeblich. Sie begriffen es nicht. Das Bein muß so gut wie möglich repariert werden. Sofort.

Tamara rief verzweifelt: “Was nützt es, wenn das Leben nicht erhalten werden kann!

Sie blieben stur. Fachidioten, dachte Tamara. Wenn sie sie nur gleich gerufen hätten. Dann hätte sie dem Mädchen die Intubation und vielleicht auch den Subclavia-Katheter ersparen und mit ihr gleich reden können. Sie hätte ihr Schmerz- und Beruhigungsmittel geben können und zwei Stunden früher mit der Schockbekämpfung beginnen können. Dann hätte sie den Chirurgen die Sache rechtzeitig erklären können und wenn diese gehorcht hätten – sie wollten schließlich auch nur das Beste für das Mädchen – dann hätten sie nur schnell das Nötigste gemacht: Blutstillung und Beinimmobilisierung bevor der Hubschrauber sie auf die Intensivstation gebracht hätte.

Sie arbeiteten bis zum Morgengrauen.

Am nächsten Tag starb das Mädchen.

Tamara war wütend. Sie fühlte sich machtlos und am Ende ihrer Kraft. Denn ähnliche Fälle waren gar nicht so selten. Vor kurzem passierte es, daß ein junger Chirurg sie anrief und aufgeregt sagte: “Kommen Sie schnell! Schon wieder so ein schwerverbranntes Kleinkind.”

Und da hat Tamara – normalerweise ruhig und freundlich – ihrer Wut freie Bahn gelassen und hemmungslos gebrüllt: “Schicken sie das Kind sofort in die nächste Intensivstation! Nur dort hat es eine Überlebenschance! Sie wissen doch, wie es bei dem letzten verbrannten Kind war! Paar Tage hier herumgebastelt, dann starb es! Das darf nicht noch einmal passieren.”

Der junge Kollege stotterte: “Ja aber, Sie wissen doch… mein Chef…und Ihr Chef …”

Tamara brüllte weiter: “Sie haben Nichts zu befürchten! Ich übernehme die Verantwortung ganz allein! Tun sie, was ich sagte und so schnell wie möglich!”

Sie warf den Hörer in die Gabel und sich zitternd auf den nächsten Stuhl.

Der junge Kollege gehorchte. Das Kind überlebte. Keiner der Chefs machte ihr Vorwürfe. Für solche Momente fand sie den täglichen Kampf lohnend.

Copyright by Tamara Nord http://www.lulu.com/content/1505434


[1] Subclavia-Katheter, d.h. ein Infusionsschlauch in die große Vene unter dem Schlüsselbein
[2] Intubieren, d.h. einen Beatmungsschlauch in die Luftröhre einführen

Aus dem Alltagsleben einer Anästhesistin von Tamara Nord

Urlaub in VallettaDie ältere der beiden Damen, die so unternehmungslustig im Mai 2006 nach Malta reisten, siehe auch die Reportage Urlaub in Valletta auf http://www.lulu.com/content/421579  schrieb nun einige haarsträubende Geschichten auf, die ihr in ihrem zweiten Leben als Anästhesistin widerfahren sind. Im ersten Leben war sie Lungenfachärztin, die dann angeblich nicht mehr gebraucht wurden, weshalb sie auf Anästhesie umgesattelt ist.

Bereits in ihren Dreißigern schrieb sie einen Roman im Ärztemillieu, der einen Wettbewerb gewonnen hatte. Ja, man wollte es sogar verfilmen. Doch hatten die Filmleute so viele Änderungswünsche, daß Tamara entnervt die Kooperation aufkündigte, da es nicht mehr „ihre Personen“ gewesen wären.

Danach war sie mit dem Überleben in fünf Ländern beschäftigt und hatte keine Zeit mehr zum schreiben.

Ich bin stolz, daß mein eigenes literarisches Schaffen, Tamara Nord wieder zum Schreiben animierte. Sie ist jetzt achtzig Jahre alt und unwahrscheinlich fit. Ihre Geschichten von ihren diversen Arbeitsplätzen waren immer äußerst spannend und brachten mich u. a. dazu, den Beruf als Ärztin zu ergreifen. Die zugrundeliegenden Erlebnisse sind alle passiert, weshalb Tamara Nord natürlich ebenfalls ein Pseudonym ist und sie weder echte Namen verwendet, noch die Krankenhäuser nennt. Ihr Schreibstil ist sehr knackig und kommt direkt zur Sache.

Es ist erschreckend, was alles aus Ignoranz, Selbstüberschätzung, oder schlicht guter Absicht am falschen Platz passieren kann. Es wäre unterhaltsam, wenn es dabei nicht täglich um Menschenleben ginge, die sich meistens dieser Tatsache in diesem Ausmaß gar nicht bewußt sind.Der Alltag einer Anästhesistin

Ich hoffe, daß Tamara Nord noch viele weitere Episoden aufschreibt http://www.lulu.com/content/1505434.

Die Titelbildgestaltung, sowie das Lektorat übernahm ich und ich bemühte mich außerdem, alle möglicherweise unverständlichen Ausdrücke aus dem Ärztejargon direkt zu erklären.

Die komplette Geschichte “Silvester” erfolgt als separater Eintrag. 

Mein Gedicht „Das Kaleidoskop“ wurde veröffentlicht

One poem published

My poem „Kaleidoscope“ has been published in November 2007 in a large German Anthology. It surfaced almost on its own and told me that all will be well, eventually.

Das Gedicht wurde im November 2007 in der Anthologie AUSGEWÄHLTE WERKE, Band X der BIBLIOTHEK DEUTSCHSPRACHIGER GEDICHTE, ISBN 978-3-930048-53-3 www.gedichte-bibliothek.de veröffentlicht.

Das Kaleidoskop

Scherben Haufen meines Lebens

glitzern in der Sonne.

Knirschen im Mond

beim drauftreten.

Des Kaleidoskops Facetten

neu zusammengesetzt,

ein filigranes Gebäude

mit Raum für alle Gedanken.

Das Gedicht entstand quasi von alleine und sagte mir, das alles gut wird.

Selbstbildnis mit lila Pelzmantel

Meine künstlerischen Instinkte werden immer mächtiger und machen sich beinahe selbstständig. Neulich träumte ich sogar davon, wieder zu malen und es fühlte sich so gut an, daß ich tatsächlich wieder damit anfing. Das Ergebnis ist ein Selbstbildnis, obwohl ich eigentlich eine Landschaft malen wollte.

Meine Bilder stehen zum Verkauf, falls mir das Gebot zusagt.

Selbstbildnis mit lila Pelzmantel

50 x 60 cm, Acryl auf Leinwand

Self-portrait with lavender fur coat, 50×60 cm, acrylic  on canvas_neu

Hello world!

I am moving here with all my stuff which may take some time. It seems that this site offers the best features and is manageable also by somebody who is not an IT-expert. 🙂