Daily Archives: April 23, 2010

Isaac Asimov, Robert Silverberg – Kind der Zeit

Isaac Asimov, Robert Silverberg – Kind der Zeit.

Auf einer Kurzgeschichte von Isaac Asimov beruhender Roman von Robert Silverberg, der geschickt mit der Möglichkeit „Was wäre, wenn?“ spielt.

Man schafft es in der Tat einen Neandertaler, ein Kind in die nicht allzu entfernte Zukunft zu holen. Dann die Überraschung: Neandertaler sind gar nicht „blöd“. Nur merkt es kaum einer, da die Menschen auch in der Zukunft eher nach dem Aussehen urteilen und vor dem häßlichen Kind zurückscheuen.

Sehr schön und glaubwürdig wird auch die Zeit vor 40 000 Jahren – aus der man das Kind herausriß -beschrieben.

Die Geschichte lädt zum Nachdenken ein und nicht jedem wird wahrscheinlich wohl bei dem Gedanken; Was wäre, wenn nicht der Mensch, sondern eine andere Spezies die Evolution gewonnen hätte?

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Isaac Asimov – Die Stahlhöhlen und Die nackte Sonne

Isaac Asimov – Die Stahlhöhlen und Die nackte Sonne Die Stahlhöhlen: Zwei Romane

Die Stahlhöhlen

Ein wunderbarer Science Fiction Krimi, der noch nichts von seiner Aktualität (Erstveröffentlichung 1954) eingebüßt hat.

Die Übervölkerung der Erde zwang zur Weltraumbesiedlung. Nun gibt es auf der alten Erde, deren überbordende Bevölkerung zusammengepfercht in Kuppelstädten, eben jenen titelgebenden Stahlhöhlen lebt, eine abgeschirmte Kolonie der Spacer.

Hier passiert ein Mord, der eigentlich angesichts der strengen Sicherheitsvorschriften gar nicht hätte passieren können.

Ein nicht mehr ganz junger Polizeibeamter, Elijah Bailey wird gegen seinen Willen und außerhalb der Reihe, mit der Untersuchung beauftragt. Sein Partner wird ein Roboter, der äußerst menschlich aussehende und dank des Positronengehirns, logisch handelnde Daneel Olivaw. Roboter sind aber nicht beliebt und Elijah hat eine Sorge mehr.

Mit gesundem Menschenverstand und Daneels Hilfe, löst Elijah Bailey den Mordfall und schließt mit Daneel eine Freundschaft, die noch lange nach seinem Tod Auswirkungen auf die Menschheit haben wird.

Es ist ein leiser Krimi, mit nur einer Leiche, aber perfekt inszeniert. Die einprägsame Science Fiction Umgebung mutet noch heute wie eine mögliche Zukunft an, wobei sie bis ins letzte Detail stimmig ist. Schön wäre es, wenn wir es ebenfalls zu einem glücklichen Abschluß bringen würden, wobei der Abschluß eigentlich ein Neubeginn bedeutet.

Die späteren Foundation Bücher beziehen sich auf diese Anfänge ähnlich einer Bibel.

Warum es noch nicht verfilmt wurde, ist mir ein Rätsel.

Die nackte Sonne

Dieser Science Fiction Krimi ist eine direkte Fortsetzung der „Stahlhöhlen“.

Erneut passiert ein Mordfall, nur daß Elijah Bailey dafür die Erde verlassen und eine Reise nach Solaria machen muß. Und das, obwohl ihm – wie fast allen Erdenbewohnen – schon das Fliegen in (fensterlosen) Flugzeug äußerstes Unbehagen bereitet.

Glücklicherweise wird ihm erneut der menschlich aussehende Roboter Daneel Olivaw, der sein Freund geworden ist, zur Seite gestellt.

Genaugenommen ist dies bereits wie sein Vorgänger kein echter Krimi, sondern ein Appell an die Menschheit, endlich vernünftig zu werden.

Elijah lernt zu seiner Überraschung, daß das Draußen auch positive Seiten hat und Menschen es auf sich nehmen müssen, wenn sie die Zukunft ihrer Kinder verbessern wollen.

Nebenbei enthält diese Geschichte ein hübsches Liebeserlebnis, das es Elijah erst ermöglicht den Fall zu lösen.

Jane Austen – Verführung (Persuasion)

Jane Austen: Verführung (Persuasion)

Ein Spätwerk von Jane Austen mit leisen Untertönen und Kritik am Gesellschaftsgehabe. Die Heldin Anne, mit 27 Jahren für die damalige Zeit fast schon eine alte Jungfer, lehnte den Heiratsantrag ihrer großen Liebe auf Anraten von Verwandten und Freunden ab, denn Kapitän Wentworth hatte leider außer gutem Aussehen weder Geld noch gesellschaftlichen Rang. Nach 8 Jahren ist Anne noch unverheiratet und wird nach Strich und Faden von Ihrer eigensüchtigen Familie ausgenutzt. Sie läßt es geschehen, rackert sich immer für alle ab, steht sofort zurück wenn jemand etwas will und wird im Geheimen immer unglücklicher.

Da kommt Kapitän Wentworth plötzlich zurück und hat inzwischen ein Vermögen gemacht, wobei er nun entsprechend umschwirrt wird. Anne traut sich kaum einen Blick auf ihn zu werfen und ihr wird klar, daß sie als alte Jungfer sterben wird, denn ihre Liebe ist nicht erloschen.

Nach einigen Verwicklungen, wobei die Handlung sehr ruhig dahin fließt – außer einem übermütigen Sprung von einer Mauer, passiert eigentlich gar nichts – faßt er sich ans Herz und stellt ihr die entscheidende Frage noch einmal. Da sie eine kluge Frau geworden ist und den gleichen Fehler nicht wiederholt, heiraten die beiden und werden unermeßlich glücklich.

Erstaunlich ist, daß obwohl keine Handlung vorhanden ist, Annes Gefühlswelt und Beschreibungen der Gesellschaft sehr viel Abwechslung bieten. Trotz des vorhersehbaren Ausgangs ist das Buch ziemlich spannend und unterhaltsam.

Es gibt auch eine sehr schöne, werktreue Verfilmung, die schon mehrfach im Fernsehen lief.

Pullman Philip – Der goldene Kompaß, Das magische Messer, Das Bernstein Teleskop

Pullman Philip: Der Goldene Kompass, Das Magische Messer, Das Bernstein-Teleskop: Alle 3 Bände im Taschenbuchschuber

Wenn man einmal mit dem Lesen anfängt, wird man kaum aufhören können, bis die letzte der über 1300 Seiten durch sind. Wenn man den Film Der goldene Kompass gesehen hat, will man vieles besser verstehen und greift erst recht zum Buch.

Die Bücher bauen aufeinander auf und obwohl in den beiden ersten Bänden viele Geheimnisse gelüftet werden, so spart sich Philip Pullman die fantastisch-traurige Auflösung bis zum Schluß auf.

Der goldene Kompaß beginnt geheimnisvoll in einem Paralleluniversum, das dem unseren ähnelt und doch in der Ausprägung ziemlich verschieden ist.

Die junge Weise und Heldin Lyra wächst in einem Oxford College auf. Die Umgebung, Verhalten der Menschen, deren Kultur, usw. sind sehr vertraut und erinnern an ein relativ aufgeklärtes Mittelalter. Relativ aufgeklärt ist der springende Punkt, der die Geschichte überhaupt erst möglich macht. Warum sollte es denn in einem Paralleluniversum mit der Meinungsfreiheit besser bestellt sein als bei uns? Genau wie bei uns, werden auch hier das freie Denken verfolgt und die Verbreitung von unliebsamen Erkenntnissen wird durch eine Art kirchlicher Organisation massiv behindert.

Lyra hört aber vor allem auf ihren eigenen Kopf, bzw. ihren Daemon Pantalaimon. Sie findet immer wieder Hilfe bei Menschen, die meist ein wenig außerhalb der Gesellschaft stehen, sprechenden Tieren und Hexen.
Sie zieht nach Norden, beweist viel Mut und einen klaren Kopf, wobei ihr das Alethiometer (Ein kompliziertes Gerät, eben der goldene Kompaß, das auf alle Fragen eine Antwort hat, wenn man es zu lesen versteht.) sehr gute Dienste leistet.

Das Buch geht noch ein wenig weiter als der Film und deutet an, daß im nächsten Teil, weitere Universen eine wichtige Rolle spielen werden.

Das magische Messer fängt in unserem Oxford mit einem Jungen an, der viele Probleme am Hals hat. Will ist ebenfalls etwa 12 Jahre alt und möchte sich gerne besser um seine Mutter kümmern. Sein Vater ist verschwunden und Will macht sich auf, ihn zu suchen.

Nach seiner Flucht begegnet er Lyra und die beiden schließen Freundschaft. Sie trotzen sehr vielen Gefahren und Will erobert im Kampf das magische Messer, mit dessen Hilfe sie zwischen den Universen wechseln können.

Mary ist eine Physikerin, die früher eine Nonne war und an der Teilchenphysik arbeitet. Sie hilft Lyra, muß aber selbst verschwinden.

Will findet am Ende seinen Vater, verliert ihn aber gleich wieder. In diesem Zusammenhang sind einige wunderbare Szenen über Freundschaft, Treue, gegenseitige Hilfe, usw. beschrieben, wobei sich Pullman nicht scheut, auch wichtige Charaktere sterben zu lassen. Hier kommen dem Leser garantiert Tränen, sofern er dafür anfällig ist.

Weitere fantastische Gestalten wie Engel und Gespenster tauchen auf. Um die Namen zu verstehen, braucht man gelegentlich schon weitreichende Sprachkenntnisse, denn Pullman erklärt nicht alles. Bnei Elim bedeutet jedenfalls auf Hebräisch die Söhne Gottes, oder auch Söhne der Götter und Baruch heißt ebenfalls auf Hebräisch gesegnet.

Das Bernstein Teleskop beschreibt lange, was Mary nach ihrer Flucht tut. Sie findet sich in einem Land wieder, das stark an Gullivers Reisen zu den Pferden erinnert. Sie lernt ebenfalls ihre Sprache und erlebt einen recht glücklichen Lebensabschnitt bei ihnen.

Derweil ziehen Lyra mit Will in die Unterwelt, das sehr starke Anleihen bei Milton und Dante macht. Um hinzukommen, müssen sich die beiden von ihren Daemonen trennen, was sie letztendlich stärkt, obwohl es lange ungeheuer schmerzhaft ist. Ja, Selbsterkenntnis beim Erwachsennenwerden kann ganz schön weh tun.
Lyra und Will lösen die selbstgestellte Aufgabe mit letzter Kraft und verhelfen vielen Unglücklichen zu einem friedlichen Ende.

Lyras Eltern tun sich im letzten Moment zusammen und ermöglichen erst dadurch, den Sieg ihrer Tochter.
Wir treffen auf Gott, dessen Darstellung bei der Kirche garantiert nicht auf Gegenliebe stößt, so wie die ganze Trilogie von der Kirche vermutlich als subversiv angesehen wird. Wie war es mit der Meinungsfreiheit?

Das Ende ist sicher nicht jedermanns Sache, denn obwohl Lyra und Will siegen, müssen Sie dennoch ein großes persönliches Opfer bringen. Es ist kein reines Happy End, deshalb jedoch recht realistisch.

Fazit: Die Trilogie liest sich sehr schön, ist extrem unterhaltsam bis äußerst spannend und es regt zum nachdenken an, was am besten ist. Der erste Film ist nett anzuschauen, überaus unterhaltsam und sehr viel oberflächlicher.

Kürzlich las ich, daß es keine Fortsetzung nach dem ersten Film geben soll, weil kirchliche und religiöse Organisationen dagegen wetterten und wohl immer noch eine sehr starke Lobby haben. Dies ist für mich – im 21. Jahrhundert – vollkommen unbegreiflich, zumal die Kirche eigentlich erst in ihrem eigenen Hinterhof aufräumen sollte.