Monthly Archives: February 2009

Sunset 1975 – Sonnenuntergang 1975

24 x 18 cm (9.4″ x 7.1″)

Oil on cardboard

This is one of my early works, made in 1975.

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24 x 18 cm, Öl auf Karton – Eine meiner frühen Arbeiten, von 1975.

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Kianas Turm © – Ein Märchen von Valerie Ornstein

An ihrem elften Geburtstag erinnerte sich der Mogul an seine Tochter Kiana. Die Regierungsgeschäfte hatten ihn in Beschlag genommen, Reisen, Feldzüge, Nichtigkeiten, Wünsche seiner Hofbeamten.

Hatte nicht eine Amme die Tochter in ihre Obhut genommen?

Kiana war ein merkwürdiges Kind gewesen, mit blasser Haut und pechschwarzen Haaren, er erinnerte sich daran. Heute war der Jahrestag ihrer Geburt. Er fragte sich, was aus ihr geworden war.

“Holt meine Tochter!”, befahl er. “Ich möchte mit ihr speisen.”

Zwanzig Höflinge stoben los, so schnell, daß welche übereinander fielen, denn der Mogul war gefürchtet und seine miese Laune konnte für einen unglücklichen Boten schon mal traurig ausgehen.

Ein Küchenmädchen deckte schon mal festlich den Tisch im Paradesaal.

Der Hofnarr riß seine besten Witze, die heute niemanden zum Lachen brachten.

In Ihren Gemächern war Kiana nicht zu finden, ja diese sahen ziemlich unbenutzt aus.

Jetzt wurden alle nervös. Wo konnte das Gör nur sein?

Die ganze Zeit über, hatte niemand sonderlich auf Kiana geachtet, da der Mogul ihre Existenz anscheinend nicht zur Kenntnis nahm.

Ihre Mutter starb bei der Geburt, vielleicht war sie verflucht, dachten manche.

Kiana wuchs bei ihrer Amme auf und die einfache Frau brachte ihr alles bei, was sie wußte, wozu vor allem die Kräuterkunde gehörte. Als sie starb, war Kiana acht Jahre alt und ein aufgewecktes Mädchen, das fast alle geheimen Gänge im Palast kannte und es tunlichst vermied, jemanden aus des Moguls direkter Umgebung, unter die Augen zu kommen.

Kiana war gerne alleine, aber noch lieber war sie mit ihren Tieren zusammen. Tatsächlich hatte sie vom Mogul und dem ganzen Hofstaat unbemerkt, auf dem Dachboden eines der vielen Türme ein Tierasyl eingerichtet. Die Dorfbewohner wußten durch die Amme, daß Kiana Tiere liebt, ja daß sie diese sogar zu heilen vermag, wenn diese krank oder verletzt waren. Sie brachten ihr alle verletzten Tiere hin, egal, ob diese bei der vom Mogul so sehr geliebten Jagd im Wege waren, oder als Schaustücke zur Belustigung dienten, denn Kiana zahlte für alle Tiere sehr gut. Als die Tochter eines Moguls hatte sie genügend Gold zur Verfügung und eine bessere Verwendung dafür konnte sie sich gar nicht vorstellen. So landete sogar manch altes Huhn bei Kiana, anstatt im Suppentopf.

Mit der Zeit gab es einen ganzen Zoo auf dem Dachboden, wobei das Erstaunliche war, daß sich unter Kianas Obhut, selbst die Tiere, die in der freien Wildbahn Feinde waren, sanft und freundschaftlich begegneten.

Niemand ahnte, daß Kiana mit den Tieren sprechen konnte, ja daß sie alle ihre Lehrer und Freunde waren.

Die Nahrungsbeschaffung war das größte Problem, welches mit der zunehmenden Dachbodenbevölkerung wuchs und zwangsläufig dazu führte, daß fast alle gesunden Tiere, die sich selbst versorgen, aber nicht fliegen konnten, über den geheimen Tunnel unter dem Burggraben in die Freiheit entlassen wurden. Sauber war es oben, denn alle nutzten die vier Aborthäuschen hoch über den Gräben. Kiana zuliebe, brachte der Adler und die zwei Eulen sogar regelmäßig kleine Beutetiere von draußen, für diejenigen Fleischfresser, denen die vegetarische Kost, die Kiana eingeführt hatte, gesundheitlich nicht lange bekommen würde. Dazu zählten auch die drei Katzen, die noch blind, gerade noch rechtzeitig aus dem Müll gerettet wurden. Die alten Hennen, legten so viele Eier, wie sie nur konnten und die Bauern brachten so viel Stroh, Hafer und Feldfrüchte, daß es richtig gemütlich war. Sie brachten auch die vielen Kräuter und Pilze, die Kiana zur Heilung benötigte und es sprach sich schnell herum, daß sie nicht nur Tieren, sondern auch Ihnen oftmals helfen konnte.

Im Turm gab es viele gemauerten Zellen, die wie Kleeblätter ineinander übergingen und für die nötige Privatheit der verschiedenen Arten sorgten.

Kianas größter Freund war der alte Tanzbär Bruno, für den täglich mehrere Tauben unterwegs waren, um ausreichend frische Beeren zu sammeln und ein Bienenvolk verzichtete auf einen Teil ihres Honigs für ihn. Bruno kannte die Schlechtigkeit der Menschen am besten und erzählte allen davon, kaum, daß er wieder reden konnte. Nicht nur mußte er mit einem Metallring in seiner empfindlichen Nase auf Jahrmärkten tanzen, nein, die Menschen zapften ihm sogar regelmäßig Galle ab, wofür sie ein eisernes Röhrchen in seinen Gallengang einführten. Kiana brauchte lange, um dieses, bereits rostendes Röhrchen zu entfernen und die schwere Infektion einzudämmen. Ihr drehte sich bei all den traurigen Schicksalen der Magen um und sie mochte ihren Vater, der all die Macht hatte, aber nichts als Kriege und Vergnügungen im Sinn hatte, nicht im Geringsten.

Sie feierte gerade ihren elften Geburtstag, natürlich auf dem Dachboden, als die Mäuse meldeten, daß der Mogul mit ihr zu speisen wünscht und bereits so ungehalten ist, daß ein Höfling um seinen Kopf kürzer war. Das war der Augeblick, auf den sich Kiana seit drei Jahren vorbereitete.

Die Taube mit dem gefalteten Zettel

Lieber Vater,

Bitte komme mich persönlich besuchen, indem Du dieser Taube folgst.

Kiana

im Schnabel, flog in den Thronsaal und ließ den Zettel direkt auf seinen Schoß und ein Häufchen Kot in seine Schüssel fallen, so daß die Suppe auf des Moguls Gesicht spritzte.

„Erschießt das Vieh!“ rief er zornig, wobei er vergaß, daß alle Waffen in seiner Anwesenheit, auf seinen eigenen Befehl verboten waren.

Der Mogul fand das gar nicht witzig und ließ gleich noch einen Höfling kürzen, der den Anflug eines Grinsens nicht schnell genug unterdrückte, worauf alle verstummten und zu zittern anfingen. Derweil drehte die Taube einige Runden und machte immer bei der Tür halt, die der Mogul benutzen sollte. Als Dieser endlich einsah, daß die Höflinge seine Tochter nicht herbeischaffen können, erhob er sich mit aller Majestät, deren er fähig war und watschelte zur Tür, um seiner Tochter Mores beizubringen. Viele Jahre reichlichen Essens ohne körperliche Bewegung führten dazu, daß sein Umfang schon so stattlich war, daß eine anmutigere Fortbewegungsart nicht mehr möglich war.

Als der Mogul in Kianas Turm ankam, war er außer Atem und seine Laune auf dem absoluten Tiefpunkt. Er merkte gar nicht, wie ein Affe die Falltür hinter ihm sachte herunterließ und die im gebührenden Abstand folgenden Höflinge aussperrte. Er sah nur Kiana, die ihn äußerst unstandesgemäß, wie ein Bauernjunge gekleidet, in der Mitte des großen Raumes ruhig erwartete.

„Du!“ rief der Mogul aufgeregt. „Wie kannst du es wagen…“

„Bitte setz dich“, sagte Kiana und wies auf die beiden Strohballen, die bereitstanden.

Der Mogul lief rot an. Er wollte zu ihr eilen und sie ordentlich durchschütteln, als sich plötzlich von hinten zwei große Pranken auf seine Schultern legten und der große Bär ihn zwang, sich zu setzen.

„Bleib bitte ganz ruhig“, sagte Kiana. „Ich kann sonst nicht garantieren, wie lange Bruno sich beherrschen kann. Wir müssen reden.“

Um ihren Worten Nachdruck zu verleihen, riß Bruno seine Krone herunter.

„Kaum läßt man dich aus den Augen“, beklagte sich der Mogul, „schon machst du Unsinn, genau wie deine Mutter! Ich schickte nach dir“, fuhr er nun ganz zuckersüß fort, „weil ich dir etwas Wichtiges mitteilen will.“

Kiana schaute ihn nur abwartend an und er wurde wieder sauer.

„Höchste Zeit, daß dir jemand die Flausen aus dem Kopf treibt! Ich habe vor, heute deine Verlobung bekannt zu geben. In drei Jahren wirst du heiraten und bis dahin gehst du in das Kloster der heiligen Theresa und lernst anständiges Benehmen!“

„Und wenn ich mich weigere?“ fragte Kiana ruhig.

„Dann verstoße ich dich und verschenke dich an den ersten Bettler, der hier vorbeikommt!“ rief der Mogul.

„Bitte, Bruno.“ sagte Kiana.

Bruno ließ seine Pranken um des Moguls Brustkorb schließen und drückte sanft zu. Gleichzeitig biß er ihm das linke Ohr ab und kaute daran herum. Der Mogul heulte auf, daß seinen Höflinge hinter der Falltür das Tuscheln verging und statt dessen das Blut in den Adern gefror.

„Lieber Vater“, sagte Kiana. „Entweder wirst du sofort – ohne wenn und aber – zu meinem Gunsten öffentlich abdanken, oder Bruno beißt dir noch etwas anderes ab, bevor er richtig zudrückt.“

Der Mogul erbleichte, sofern das noch überhaupt möglich war. Er tat, was seine Tochter verlangte und hoffte dadurch zumindest seine Freiheit wieder zu erlangen, doch Kiana war klug. Sie behielt ihn im Turm, wo ihre Tiere auf ihn aufpaßten und ihm alle Kunststückchen beibrachten, die sie für die Menschen vorführen mußten. Da er sich nicht mit ihnen verständigen konnte und selten die Notwendigkeit des Gehorchens einsah, war sein Lernprozeß entsprechend lang, mühsam und schmerzhaft.

Kiana regierte mit Hilfe ihrer tierischen Ratgeber sehr weise und trat nur äußerst selten öffentlich auf. Sie beendete alle Kriege und Frondienste und verwendete das dadurch eingesparte Geld zur Bildung ihrer Untertanen. Alle Tiere erhielten die gleichen Bürgerrechte und sie achteten sorgfältig darauf, daß ihre früheren Herren nichts gegen Kiana unternahmen.

So vergingen etwa zehn Jahre und alle waren zufrieden.

Alle?

Nun ja, der Mogul schmiedete insgeheim Rachepläne und Kiana, die inzwischen zu einer Schönheit herangewachsen war, wünschte sich langsam einen ebenbürtigen Mann an ihrer Seite.

Aber das ist eine andere Geschichte.